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Kurze Geschichte zum Deutschen und Europäischen Arzneibuch

Ein Beispiel für die Entwicklung eines Standardwerkes zur Qualität von Arzneimitteln ist die Geschichte vom Deutschen Arzneibuch zum europäischen Arzneibuch.
Bereits 1546 beginnt sie mit dem ersten Vorläufer des Deutschen Arzneibuches des Arztes Valerius Cordus. Darin enthalten sind Rezepturen für Arzneimittel und Hinweise auf Wirkstoffe. Als erstmalige Besonderheit wird zur Beschreibung der Rezepturen ein „definiertes“ Gewichtssystem benutzt.

Pharmakopeia Augustana

Diese Sammlung erscheint zunächst im Nürnberg, sie wird jedoch bald weithin bekannt, nicht nur über ihre Stadtgrenze, sondern auch über die Ländergrenzen hinaus in Europa. Als 1573 die Pharmakopeia Augustana erscheint, war dies die zweite Auflage der Cordus- Sammlung. Hier taucht zum ersten Mal die Bezeichnung Pharmakopeia auf. Dieses Wort aus dem Griechischen bedeutet: Heilmittel oder Gifte machen.

Erst etwa 200 Jahre später erscheinen dann Pharmakopöen der einzelnen Länder (Württemberg, Bayern, Preußen von Bedeutung), die immer noch sehr uneinheitlich sind. Denn in den einzelnen Ländern gibt es unterschiedliche Arzneimittelgewohnheiten, andere Bezeichnungen für ein und dasselbe, andere Anforderungen an die Analytik. Ebenso werden  uneinheitliche Maß- und Gewichtssysteme verwendet. Auch unterscheiden sich die Beschreibungen in Form und Stil.

Erstes Deutsches Arzneibuch

Erst 1872, mehr als 300 Jahre nach Cordus, erscheint die erste Gesamtdeutsche einheitliche Ausgabe, des erst im Nachhinein so bezeichneten 1. Deutschen Arzneibuches, DAB1. Diese 1. Pharmacopoea Germanica ist deshalb endlich möglich geworden, weil 1870 das Deutsche Reich gegründet wird und somit die Rivalitäten der einzelnen Länderregierungen beendet werden. Dafür wird eine Pharmakopöe- Kommission vom Bundesrat berufen und beauftragt, eine Harmonisierung der Arzneibücher zu erarbeiten.
Hier tritt zum ersten Mal die Pharmakopöe- Kommission oder Arzneibuch- Kommission zusammen. Eine Gruppe von 16 Fachleuten, die sich aus Apothekern, Ärzten, Professoren der Pharmazie, Professoren der Chemie und weiteren Sachverständigen zusammensetzt.

Die Aufnahme weiterer Arzneimittel, fortschreitende Erfahrungen bei den Anwendern, neue fachliche Erkenntnisse, effektiver Stil machen das Erscheinen weiterer DABs erforderlich.

Ständige Arzneibuch- Kommission

20 Jahre später, 1891, ist man bereits bei der dritten Ausgabe des Deutschen Arzneibuches angelangt, das nun in deutscher Sprache erscheint. Zur Erarbeitung dieses DAB 3 wird erstmalig eine ständige Arzneibuch- Kommission vom Kaiserlichen Gesundheitsamt, aus dem sich unsere heutigen Bundesoberbehörden entwickelt haben, eingerichtet.

Im Laufe der Entwicklung der deutschen Arzneibücher kamen immer mehr Beschreibungen von einzelnen Wirkstoffen und einzelnen Hilfsstoffen hinzu. Diese Monographien enthalten nun ganz konkrete Anweisungen wie diese Stoffe zu prüfen sind und welche Ergebnisse sie aufweisen müssen, damit sie als Arzneistoff eingesetzt werden dürfen.

Pharmacopoea Europaea

Mit dem Erscheinen des ersten Europäischen Arzneibuches 1969 hört die Geschichte des Deutschen Arzneibuches zwar nicht auf, jedoch nimmt die Bedeutung des Deutschen Arzneibuches stetig ab und die des Europäischen Arzneibuches (Ph.Eur.) stetig zu. Dieses Europäische Arzneibuch erscheint zuerst und zeitgleich in englischer und französischer Sprache und wird dann erst in Deutsche übersetzt.

Die Geschichte des Europäischen Arzneibuches ist jung und damit kurz. Sie beginnt 5 Jahre vor dem ersten Erscheinen der Ph.Eur. 1969. Sie ist mit ähnlichen Schwierigkeiten behaftet wie es die Harmonisierung der unterschiedlichen Städte und Länderarzneibücher zum Deutschen Arzneibuch war. Auch in Europa haben wir unterschiedliche Traditionen, unterschiedliche Staatsformen, politisches Gerangel, unterschiedliche Auffassungen von Qualität, ja unterschiedliche Auffassungen, was als Arzneimittel gilt und was nicht, unterschiedliche Ziele, vielleicht auch  wirtschaftpolitische Einflussnahme.

Quelle: Mohr R (2005) Autor mehrerer Kapitel zur Geschichte. In: Göber B, Surman P (Hrsg) Arzneimittelkontrolle – Drug Control, Grundlagen und Methoden der Prüfung und Standardisierung von Arzneimitteln. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft – Deutscher Apotheker Verlag Stuttgart; Liebich G (2003) Öffentlicher Vortrag im Rahmen der GDCh-Jahrestagung Chemie in München